Testberichte

Ableton Live – VOM DJ zum Producer und zurück

Ableton Live – VOM DJ zum Producer und zurück

31. Oktober 2013

Der Arbeitsplatz eines DJs besteht im Grundsatz aus drei Bestandteilen – zwei Playern mit Geschwindigkeits- beziehungsweise Pitchregler und einem Mixer. Das digitale Zeitalter erfasste natürlich nicht zuletzt dieses Handwerk. So wurden folglich diese drei „Geräte“ virtuell in „eine“ Software verschiedenster Anbieter gepackt. Mit jedem Upgrade bieten die unterschiedlichen Entwickler stetig neue Funktionen und somit kreatives Potenzial für den User, beispielsweise durch zusätzliche Decks mit verschiedenen Trigger- und Routing-Optionen.

Parallel zu diesem „Wettrüsten“ gibt es eine Software auf dem Markt, die sich zwar in keiner Weise als eine reine DJ-Software definiert, sondern vielmehr als vollwertiger Sequenzer für das Studio, aber ihre Oberfläche für jegliche Art von Bühnenperformance macht sie auch als Mixing Tool äußerst interessant. Der Name: Ableton Live.

Pünktlich zum Release der brandaktuellen 9er-Version untersucht mix&scratch vor allem die so genannte „Session-View“ auf ihren Nutzen beim Auflegen. Öffnet man die Session-View standesgemäß, so zeigt sich logischerweise nicht gleich eine fertige Bedienoberfläche zum „Auflegen“ – diese muss erst von Hand geschaffen werden. Der Vorteil dieses anfänglichen Mehraufwands ist die für Fortgeschrittene und kreative Köpfe einmalige Individualität. Hat man sich sein virtuelles Setup dann perfekt zusammengestellt, kann dieses als Template gespeichert werden. Man könnte sich also bei Bedarf, für verschiedenste Musikstile auch differenzierte Schablonen kreieren. Zwei Decks sind letztendlich durch zwei Audio-Spuren schnell aufgestellt und gegebenenfalls entsprechend benannt. Der Wunsch nach MEHR… endet letztendlich beim Arbeitspeicher.

Linefader, ein Panning-Regler und ein Mute-Button sind beim Spur-Mischer in Ableton automatisch vorhanden. Ebenfalls wie der Crossfader, bei dem nur gewählt werden muss, welche Spur oder welcher Kanal auf welcher Seite liegt oder direkt zum Master geroutet wird. Mit sieben verschiedenen CF-Kurven zur Auswahl sollte man für jede Mixtechnik dann auch die passende finden. Mixer und Crossfader können beim Arbeiten mit einem Controller auf dem Bildschirm auch ausgeblendet werden. Den üblichen 3-Band-Equalizer findet man in den Audio-Effekten, den man am einfachsten als Insert-Effekt direkt auf die Spuren legt – somit wäre alles da, was der DJ braucht.

Der Controller Push ist eine Hardware-Entwicklung von Ableton

Der Controller Push ist eine Hardware-Entwicklung von Ableton

Was die Wahl des Hardware-Controllers angeht, bietet der Markt eine horrende Produktpalette. Speziell für die Software entwickelte Produkte wie die APC 30/40, das Novation Pad, Ableton PUSH und so weiter sind sicher eine Top Wahl. Durch kinderleichte MIDI Konfiguration lässt sich Ableton Live auch in klassischen DJ-Kontrollern integrieren. Um Vorhören zu können, braucht man eine Soundkarte mit zwei Stereoausgängen, wie bei jeder Software.

Über den Brower von Ableton findet man Zugriff zu seinen Songs. Die 9er Version bietet diesen wesentlich übersichtlicher an mit der Option „unendlich Ordner hinzufügen“. Bei einem Klick auf den Folder zeigt er die Inhalte in einem extra Fenster – ähnlich wie man es von Serato, Traktor und anderen kennt. Ableton legt die Tracks auf der Spur als so genannten Audio-Clip an. Auf jedes „Deck“ können unendlich viele Clips geladen werden, wobei aber nur einer abgespielt werden kann. Ein komplettes Set kann hier perfekt vorbereitet werden, wodurch ein Benutzen des Browsers und Laden der Songs beim Auflegen hinfällig wird.

Viel interessanter jedoch ist nun die Möglichkeit für jeden Track mehrere Clips anzulegen. Verschiedenste Parts aus dem Song als Startpunkt oder Loops entsprechen dann jeweils einem farbigen, beschrifteten (für die Ordentlichen) eigenständigem Rechteck. Das alleinige Arbeiten mit mehreren CUEs und Loops unterfordert Ableton Live 9 jedoch komplett. Features wie Clip-Hüllkurven, Warpen, Follow Actions und diverse Trigger-Modes eröffnen völlig ungeahnte Dimensionen. Zugegeben sind wir dann schon beim Thema Live Remixen, welches je nach Komplexität zu Hause oder im Studio vorbereitet und geprobt werden sollte. Das bedeutet aber nicht, dass man zwingend ein festes Set runterspielen muss… Wer die Session-Matrix beherrscht und sein Material kennt ist hier frei wie ein Vogel.

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