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Cro Melodie

Cro Melodie

10. Juni 2014

2011 war plötzlich alles „Easy“. Aus dem Nichts startete Cro, der Rapper mit der Panda-Maske voll durch. Auf Free-Mixtapes folgte das Debüt-Album „Raop“ und damit wurde ein Hagel an Awards und Gold- beziehungsweise Platin-Auszeichnungen für Deutschland derzeit erfolgreichsten Rapper ausgelöst. Sein Album und die Singles wurden in Deutschland bis heute 2,5 Millionen Mal verkauft, er machte Werbung für unter anderem AXE und McDonalds, entwarf eine Kollektion für H&M und kann mittlerweile über zwei Millionen Facebook Fans vorweisen. Und all das Independent ohne Major Deal!

Zu behaupten das großer Druck auf Cro und den Album Nachfolger von Raop liegen würde, wäre also die Untertreibung des Jahres. Jeder andere wäre vermutlich unter dem Druck zusammengebrochen oder hätte durch den raketenhaften Aufstieg in den Pop-Olymp ein schier unerträgliches Ego entwickelt. Wenn das Debütalbum so einschlägt wird der Künstler nicht selten beim Nachfolger mit Schreibblockaden geplagt oder versucht zumindest sich abzulenken. Sei es mit einer Album Produktion im Ausland, dem Engagement vieler externer Produzenten oder durch Konsum benebelnder Substanzen aller Art. Cro dagegen sperrt sich im Keller seiner Mutter ein und produziert mit Melodie ein Album das es nicht nur schaffen wird seine Fans glücklich zu machen, sondern auch dem ein oder anderen Kritiker aus dem Hip-Hop-Lager Respekt abverlangen wird.

Melodie klingt ein klein wenig rougher als Raop ohne dabei an Ohrwürmern einzubüßen. Für einen Rapper ungewöhnlich ist dabei, dass die Texte gar nicht so sehr im Fokus stehen sondern alles dem Vibe untergeordnet wird. Beat und Rap ergeben bei jedem Song ein angenehmes Gesamtbild aus guter Laune mit einem unterschwelligen Hauch Melancholie. Egal ob es dabei um Liebe, Freiheit, Zweifel oder Selbstverwirklichung geht Cro schafft es, dass eine ganze Generation sich verstanden fühlt. Dabei greift er durchaus auch auf Stilmittel zurück die dem Großteil seiner Zielgruppe zwar neu sein dürften, dem ein oder anderen aus den älteren Semestern aber bekannt vorkommen könnten. So bedient sich Bad Chick bei „What’s the Difference“ von Dr. Dre und Cro’s „Never Cro Up“ erinnert an Jay Z’s „Hard knock Life“. Produziert hat Cro größtenteils selbst. Die restlichen Beats hat er sich von Shuko auf den Leib schneidern lassen. Ebenfalls erwähnenswert ist, dass über die zwölf Anspielstationen mit Dajuan auf „Meine Gang (Bang Bang)“ gerade mal ein Feature-Gast zu finden ist.

Durch das wahnsinnig Hohe Radio Airplay entschied man sich bei Cro’s Labelheimat Chimperator die erste Single Traum früher als geplant zu veröffentlichen und schoss so sofort auf Platz eins der Single-Charts. Mit Melodie hat Cro ein Album abgeliefert, das sowohl authentisch ist, als auch die Weichen für viele weitere Charterfolge stellt.

Club-Tauglichkeit:         ◉◉

Hit-Potential:                  ◉◉◉

Tanzbarkeit:                   ◉◉◉☉☉

Releasedatum: 06.06.2014
Label: Chimperator
Musikrichtung: HipHop

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