Testberichte

KONTROL S8 – Auf in eine neue DJ-Controller-Ära

KONTROL S8 – Auf in eine neue DJ-Controller-Ära

27. Mai 2015

Native Instruments bewirbt seine neuesten DJ-Controller Kontrol S8 als das Flaggschiff, begründet in der üppigen Ausstattung einhergehend seiner opulenten Größe. Seine zwei hochauflösenden Displays, die Performance-Controls und Fader für die Remix-Decks fallen sofort ins Auge und bringen gegenüber dem Kontrol S4 die Traktor-Navigation auf ein bisher unerreichtes Level. Auf Jog-Wheels verzichtet Native Instruments. Ein Statement mit revolutionärem oder eher pragmatischem Hintergrund?

Ein Flaggschiff im Schlepptau zu haben, fordert einen DJ meist logistisch und auch physisch heraus. Voll ausgestattet bleibt doch bei diesen Aushängeschildern die Mobilität etwas auf der Strecke. Schließlich lassen sich monströse Geräte wie Numarks NS7 II oder Pioneers DDJ-SZ nicht nur von den Maßen, sondern auch vom Gewicht her nur schwer bändigen. Das Problem erkannte Native Instruments und bringt mit dem Kontrol S8 seinen fünf Kilogramm einen für dieses Segment überraschend leichten, dennoch sehr robusten DJ-Controller auf den Markt. Auch mit seinen Maßen, 58,5 Zentimeter Breite, 38,7 Zentimeter Tiefe und 6,6 Zentimeter Höhe bleibt das Chassis mit seinem mattschwarz gebürsteten Alu-Faceplate recht kompakt. Zusätzliche Features wie zum Beispiel die Displays oder die Remix-Controller, zollen daher ihren Tribut, denn weder Pads, noch Knobs sollen von ihrer Handlichkeit einbüßen. Native Instruments entschied sich daher, die Jog-Wheels zu beerdigen. Schließlich gelten Jog-Wheels als Rudiment der Plattenteller-Zeit, um den einstigen vinylaffinen DJs den Umstieg auf CD-Player und später DJ-Controller zu erleichtern. Jog-Wheels fungieren üblich für Searching und Pitch-Bending, das beim Kontrol S8 von zwei großzügigen Touchstrips übernommen wird. Wer scratcht oder Drops mit einer Vinyl-Haptik liebt, legt sowieso mit Plattenspielern auf. Deswegen liegt dem Kontrol S8 die Traktor Scratch Pro-Version bei. Zudem lässt er sich als Stand-Alone-Vierkanal-Mixer einsetzen, an denen bis zu vier Quellen, wie Schallplattenspieler samt Erdung oder andere Line-Zuspieler, auf Cinch-Basis angeschlossen werden können.

Nicht nur technisch sondern auch optisch präsentiert sich der Kontrol S8 sehr professionell

Nicht nur technisch sondern auch optisch präsentiert sich der Kontrol S8 sehr professionell

Blickt man auf das Back-Panel schließen sich zudem zwei Main-Ausgänge, einer für Record als Cinch und ein weiterer symmetrischer XLR-Anschluss an. Zwei 6,3 Millimeter Klinkenbuchsen sind für den Anschluss eines Monitors (Booth Out) vorgesehen. Auch die Inputs für die Mikrofone befinden sich auf der Rückseite. Mit dieser Anschlusspalette ist der Kontrol S8 für den professionellen Einsatz bestens gerüstet. Eine Diebstahlsicherung, die MIDI-In- und -Out-Anschlüsse, der USB-Port und der Netzanschluss inklusive Schalter schließen die Connections ab – zumindest rückseitig. Denn am Frontpanel klinkt man den Kopfhörer wahlweise mit einem 3,5 oder 6,3 Millimeter Klinkenstecker an. Auch das Routing des Crossfaders samt stufenloser Kurveneinstellung erfolgt frontseitig. Beim Blick auf die Benutzeroberfläche beginnen die Augen zu funkeln. Trotz der vielen mehrfarbig beleuchteten Knöpfe und Tasten behält man die Übersicht. Erfreulicherweise sind diese Bedienelemente vom Kollegen Maschine übernommen, sodass für schnelles Triggern mehr Fläche eingeräumt wird. Auch von den meisten Standardfunktionen und deren Anordnung gibt es Parallelen zum Kontrol S4, was den Umstieg auf den größeren Bruder sehr erleichtert. Jedes Deck definiert sich über die herkömmlichen Standard-Transport-Sektionen zum Starten der Tracks, inklusive Sync und der Deck-Zuweisung. Acht mehrfarbig hintergrundbeleuchte Pad-Controls unterliegen entweder den Hotcues, Loops, Slices oder Remix-Decks. Für Neugierde sorgen die neuen Creative- und Performance-Controls, mit denen die Remix-Decks editiert und dem Mix angepasst werden können. Aber das Highlight bilden die Display-Controls, die nicht nur dem Stöbern in der Library dienen. Sie zeigen neben den Wellenformen und wichtigen Informationen der Tracks auch die aktiven Effekte samt Parameter an. Diese können in den bekannten FX-Controls ausgewählt und mit bis zu drei Effekten kombiniert werden.

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