Interviews

Mathias Kaden – Freude am Auflegen

Mathias Kaden – Freude am Auflegen

11. Juni 2014

mix&scratch: Deine Kontinuität zeigst du auch in dem Medium Vinyl, mit dem du seit Beginn deiner Karriere auflegst. Worin siehst du dessen Vorzüge?

Mathias Kaden: Ich habe mit Vinyl einfach ein besseres Gefühl. Der Sound spielt allerdings keine primäre Rolle. In den Clubs klingen CDs mitunter besser und vor allem laufen sie sicherer, ohne Nadelspringen. Wenn dies einem heute passiert, unterstellen dir gleich die Leute mit verstörtem Blick einen Fehler. Aber dass du versuchst, den Leuten etwas Besonderes zu bieten, würdigen sie nicht. Woher sollen sie auch wissen, dass es nicht an dir lag, sondern am Veranstalter, der zuständig für die Bereitstellung funktionstüchtiger Technik ist. Auch wenn die CD das sichere Medium ist, ich bevorzuge nach wie vor lieber Vinyl. Zumal mit CDs aufzulegen, keine Kunst ist. Du siehst die BPMs und brauchst somit kaum Gehör zum Beatmatchen. Mit Platte ist das viel spannender und macht viel mehr Spaß. Obwohl die Tempi angeglichen sind, musst du trotzdem die Platte nachdrehen. Man fühlt sich eben wie ein DJ und nicht wie ein „CDs abspielender Typ“, der seine Musik herunter spult.

Mathias Kaden

mix&scratch: Und wie viele Platten nimmst du zu deinen Gigs mit?

Mathias Kaden: Ich reise mit rund fünfzig Platten an. Aber davon spiele ich natürlich nicht jede, je nach Situation, ob ich auch spontan bei einer After-Party auflege. Auch wenn ich weiß, dass ich sie eventuell bei einem Gig nicht einsetze, nehme ich sie trotzdem mit, aus der Erfahrung heraus, dass ich mich ärgere, wenn ich sie nicht dabei habe. Generell müssen natürlich im Club die Plattenspieler tadellos funktionieren, ohne Feedbacks durch das Einschwingen des Vinylsignals. In diesem Fall lege ich auch schon recht viele Platten am Abend auf. Wie beispielsweise in der Panaroma-Bar, wo ich fast komplett nur von Vinyl aufgelegt habe und lediglich zwei CDs zum Einsatz kamen.

mix&scratch: Aber bezüglich der technischen Gegebenheiten ist wohl die Panorama-Bar eher eine Ausnahme, oder?

Mathias Kaden: Mindestens bei jedem dritten Gig muss ich mich mit technischen Problemen auseinandersetzen. Plattenspieler laufen nicht mehr gleichmäßig oder Systeme fehlen. In Italien oder Spanien, wo fast nur noch mit CDs aufgelegt wird, werden mir natürlich schon Plattenspieler zur Verfügung gestellt, aber meist ohne Nadeln. Zum Glück habe ich meine eigenen fast immer dabei. Aber davon sollte der Veranstalter nicht ausgehen. Schließlich erwartet man, dass alles komplett und funktionstüchtig ist. Mitunter steht im Setup auch ein anderes Mischpult als angefordert. Aber ich kann damit umgehen und den Abend so für mich herumreißen. Selbst wenn die Plattenspieler überhaupt nicht funktionieren. Dann bin ich zwar umsonst mit den Platten angereist, aber ich kann wenigstens komplett auf CDs ausweichen.

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