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Mirco Niemeier – Von Trabanten und Bandmaschinen

Mirco Niemeier – Von Trabanten und Bandmaschinen

5. November 2015

Mirco Niemeier lebt und wohnt in seiner Heimatstadt Berlin. Seine Musik gleicht einer herrlichen Komposition aus warmen aber dennoch treibenden Parts. Er hat bereist auf verschiedene Labels wie zum Beispiel Kindisch, OFF Recordings, Style Rockets, Mangue, Symbiont-Music, Pure, Ahoi, Parquet Recordings und Deich Records veröffentlicht. Dabei ist sein eigenes Verständnis von Sound stets als klare Handschrift in den Produktionen herauszuhören. Nicht weniger überzeugend gestalten sich seine Sets als DJ, welche mittlerweile in der ganzen Republik und teils darüber hinaus gefeiert werden. Wir sprachen mit Mirco Niemeier über Musik, Technik und Software.

mix&scratch: Mit welchem Equipment legst du auf?

Mirco Niemeier: Bei mir gern gesehene Mixer sind der Pioneer DJM 900 NXS oder der Allen & Heath Xone:92, allein schon, weil sie zum Clubstandart geworden sind. Ich mag beim Pioneer die Effekt-Sektion und den Filterpass. Und beim Allen & Heath eben den 4 Band EQ. Dadurch hat man echt starke Mix-Möglichkeiten. Mein Favorit bleibt dennoch der Rane MP2015. Schon der DJ-Wechsel für Kollegen die mit Laptop spielen ist ein wahrer Traum. Man kann sich einfach an den Input Selector für USB anschließen und ist sofort startklar ohne vorher dreißig Minuten an den Mixer rumwuseln zu müssen. Als Tonträgerabspielgerät favorisiere ich den Pioneer CDJ-2000 NXS und ganz klar den guten alten Technics SL-1210 für die Platten. Der CDJ 2000 NXS hat eine sehr gute Haptik und bietet die Vorzüge von Pioneer’s Recordbox. Allerdings bietet er für meinen Geschmack zu viele Funktionen um in die Musik einzugreifen. Gute Tracks haben eine gewisse Eigenenergie und die sollte auch zur Geltung kommen und nicht durch zerhacken oder Tot-Loopen zerstört werden. Ein paar fein dosierte Effekte oder Filter sind genug um ein schönes rundes Set gestalten zu können.

mix&scratch: Wie entdeckst du neue Musik?

Mirco Niemeier: Ich höre täglich meine Promo-Files durch und finde dabei immer wieder schöne, neue Sachen. Dann stöbere ich in einigen Stores bei meine Lieblingslabels und Artists durch, oder lasse mich einfach mal eine Stunde querbeet durch die Reihen treiben. Das, was ich als spielbar empfinde, kommt dann in den Warenkorb.

mix&scratch: Wie bereitest du Dich auf ein Set vor?

Mirco Niemeier: Ich checke mit meiner Agentur schon im Voraus ab, ob ich am Tag oder bei Nacht im Club spiele. Wer mich kennt, weiß, dass ich auf Oldschool-House und Deep-House stehe. Ich habe im jeden Fall beide Richtungen dabei und gehe dann spontan auf den Vibe des Publikums ein.
Mirco Niemeier web 2

mix&scratch: Worauf achtest du bei deinen Headphones, welche Marke nutzt du hier?

Mirco Niemeier: Ich benutze schon seit 2001 Sennheiser HD25. Für mich ist wichtig das die Kopfhörer geschlossen sind und relativ eng anliegen um ein gutes Abhören in lauter Umgebung zu gewährleisten. Der Bass sollte dabei eher zurückhaltend sein. Für zu Hause oder im Studio mag Bass ganz toll sein, aber am Set wo es laut ist, nimmt man den Bass sowieso kaum wahr. Man dreht im Club ohnehin schon mehr auf und da ist ein zu hoher Bassanteil eher ein Faktor um das Ohr zu Schädigen. Ein Paar InEars werde ich bei Gelegenheit mal testen. Ich denke, da gibt es schon ein paar gute.

mix&scratch: Denkst du ein DJ benötigt eine bestimmte Qualität an Technik oder ein bestimmtes Setup um wirklich gut auflegen zu können?

Mirco Niemeier: In dem Fall wäre er sehr verwöhnt. Wenn dein Benz in die Werkstatt muss und du bekommst Übergangsweise einen Trabant 601 Deluxe, bringt der dich auch zum Ziel. Ich meine der fährt zwar nicht so wie ein Benz aber ankommen tust du alle male. Ein DJ der damit nicht klar kommt ist nicht bereit für musikalische Aufführungen.

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