Interviews

Mirco Niemeier – Von Trabanten und Bandmaschinen

Mirco Niemeier – Von Trabanten und Bandmaschinen

5. November 2015

mix&scratch: Digitalen Tracks wird auf Grund ihrer Qualität mittlerweile ein besserer Sound zugeschrieben als beispielsweise Vinyl – siehst du das ähnlich?

Mirco Niemeier: Das sehe ich ganz und gar nicht so. Eine Schallplatte hat einen Frequenzbereich von 5 Hertz bis über 25 Kilohertz und ein Dynamikumfang ca. 60-70dB. Klingt schön warm und vermittelt sogar den Eindruck von mehr Räumlichkeit im Track. Digital, sprich CD und mp3 haben bei 16-bit einen Rauschabstand (Dynamik) von 96dB 1Bit = 6dB. Das sind diskrete Werte die geschrieben werden müssen. Sprich ein digitaler Track besteht aus Treppchen, was zum Quantisierungsrauschen führt. Klingt kühl und spitz in den Höhen. Im ersten Moment klingt „Digital“ lauter und klarer, da die CD durch 44100 Abtastungen den Wert von 20000 Hertz speichern und durch Maximizer beim Master bei 0dBFS eine erhebliche Lautstärke bekommen kann. Die Schallplatte hat für eine Vollaussteuerung einige physikalische Gesetze zu beachten. Daher werden im Vinyl-Master einige Frequenzen abgesenkt was am Ende den Eindruck erwecken lässt das die CD viel lauter klingt. Vor ein paar Jahren, als noch viel Vinyl im Umlauf war, wurden Anlagen auch dementsprechend auf Vinyl eingepegelt damit die Schallplatte im Club dementsprechend gut klingt. Heute wird oft nur auf CD/mp3 eingemessen, sodass das Vinyl für uns völlig dumpf klingt.Ergo: Ein Club sollte zwei Presets fahren. Eine Einstellung für Vinyl und die Zweite Digital. Dann muss sich aber auch der Artist für ein Format entscheiden.

mix&scratch: Let’s go back in Time. Gibt es einen besonders ausgefallenen Ort an dem du mal aufgelegt hast? Was hat Dich daran fasziniert?

Mirco Niemeier: Das war in Nizza, Süd Frankreich. Kaum am frühen Nachmittag angekommen, schon am Mittelmeer gelegen und ein heftigen Sonnenbrand abgeholt.
Nizza kann ich sehr empfehlen. Was mich sehr fasziniert hat, waren die klimatisierten Clubs. Ich kenne da einen Club in Berlin, der bräuchte auch mal ganz dringend eine Klimaanlage.
Mirco Niemeier für Web 1

mix&scratch: Die Bandbreite an Tools und Software für DJs im Handel scheint ja fast endlos. Inwiefern muss ein DJ heute eigentlich auch Toningenieur und Technik-Freak sein?

Mirco Niemeier: Ein Technik-Freak muss man da schon sein, wenn ich mir die Bandbreite an Tools und Software so anschaue. Ich kenne da ein paar Kollegen die Toningenieure sind. Ich selbst habe auch so eine Ausbildung genossen. Das ist auf jeden Fall viel wert. Aber ich denke man braucht einfach eine gewisse Gabe und das Feingefühl für den Mix. Da bringt dir die beste Software oder Technik nichts, wenn du versuchst zwei Titel mit z.B. der Tonlage A-Major und F-Minor zu mixen.

⇨ Auf Seite 3 gehts weiter