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Psaiko.Dino – #Hangster

Psaiko.Dino – #Hangster

17. Februar 2014

Es ist ziemlich genau zehn Jahre her, da veröffentliche eine junge Produzentin namens Melbeatz ihr Produzenten-Album „Rapper’s Delight. Die Featureliste für dieses Album ließt sich, dank illustren Gästen wie Curse, Afrob, Jan Delay, Xavier Naidoo, Cassandra Steen und auch internationalen Rap-Größen wie Ol´Diry Bastard oder Kanye West noch heute sehr beeindruckend. Trotz der vielbeachteten ersten Single „OK“, welche die damals als verfeindet geltenden Rapper Samy Deluxe und Kool Savas auf einem Track vereinte, blieb der große Erfolg leider aus. Ein Jahr später erschien dann „Threeshot – Hip Hop Kingz – Love Peace Harmony“. Das Produzenten-Album von J-Luv mit ähnlich großer Featureliste und vergleichbaren Konzept. Auch Monroe (Beatproduzent von unter anderem „Monstershit“) legte ein Werk vor. Leider blieb auch diesen Alben der große Erfolg verwehrt.

Nun schickt sich also Cros schüchtern wirkender DJ Psaiko.Dino an, sich mit seinem Release „#Hangster“, in die Abfolge der deutschen Produzentenalben einzureihen und man darf gespannt sein, welche Gäste er aus seinem prall gefüllten Adressbuch akquirieren konnte und welches Konzept er sich für sein Erstlingswerk ausgedacht hat. Dabei gibt der Albumname, wenn auch nicht sonderlich offensichtlich, das Konzept schon vor. „Hangster“ ist eine Wortschöpfung zusammengesetzt aus „Hipster“ und „Gangster“. Und genau das passiert auf dem Album. Auf den meisten Tracks kollaboriert ein Künstler, der eher dem Gangsterrap zugordnet werden kann mit einem Künstler aus der Hipster-Ecke. Dieses Konzept lässt Paarungen entstehen die sowohl interessant als auch ungewöhnlich sind und vor einigen Jahren noch völlig undenkbar gewesen wären. Beispielsweise Cro mit Haftbefehl, Bass Sultan Hengzt mit Rockstah, Schwester Ewa mit Kaas, Celo & Abdi mit Sam, Die Atzen mit Psaiko.Dino und Eko Fresh mit DCVDNS. Die beiden letztgenannten können sich auf Ihrem Track allerdings nicht einigen wer von Ihnen denn jetzt der Hipster sein soll. Psaiko.Dino baut dabei für jedes „#Hangster-Paar“ den passenden Beat. So bekommen Bartek und Palina Power für „Boah!“ einen richtigen Kopfnicker serviert während für Muso und Julian Williams eher ruhige Töne angestimmt werden.

Der ein oder andere Künstler muss sich für das Gesamtbild auch mal aus seiner musikalischen Komfortzone bewegen. So hört man beispielsweise die Atzen für Psaiko.Dino auf einem Beat mit simplem Piano-Sample rappen statt wie gewohnt auf einem technoiden Synthie-Monster. Erwähnenswert sind dabei auch die gelungenen Remixe von Gangsta Pang, Shuko, Jopez, Sam, Gee Futuristic und CLUBKIND, die dem einen oder anderen Track eine ganz andere Klangfarbe verpassen.

Psaiko.Dino ist mit #Hangster eine sehr unterhaltsame Momentaufnahme der Deutschen Hip-Hop-Szene gelungen. Dabei geht es mehr um das Statement und die Sache an sich als um den kommerziellen Erfolg. Die Erfolgserwartungen werden schon im sehr unterhaltsamen Intro von Sido heruntergeschraubt wenn es heißt: „ Jetzt pass mal auf, Kleiner, Noch son Produzenten-Album braucht keiner / Ich mein, sowas steht im Laden und verstaubt leider / Und wenn es jemand braucht, wirds nicht gekauft – er klaut’s einfach.“ Wir sind trotzdem froh, dass der Stuttgarter Produzent die Mühe auf sich genommen hat und hoffen, dass #Hangster seine Käufer finden wird.

Releasedatum: 17.01.2014
Label: Chimperator Department GmbH
Musikrichtung: Hip-Hop

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